Doch auch im Münchner Planungsreferat sehe man Segregation heute keineswegs per se negativ. Man folgt jedoch den letztgenannten wissenschaftlichen Studien dahingehend, zwischen funktionaler und struktureller Segregation zu differenzieren, d. h. zwischen einer frei gewählten, willkürlichen und einer aufgrund äußerer Zwänge (wie beispielsweise der Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt) entstehenden räumlichen Konzentration zu unterscheiden. Und wiederum sehe man bei ersterer die Gefahr einer Verstetigung zu struktureller Segregation, die schließlich zu wechselseitiger Ab- und Ausgrenzung führen würde. Darum halte man grundsätzlich am Konzept der „Münchner Mischung“ fest, das im Übrigen bundesweit Schule gemacht hätte. Heute würde man jedoch nicht mehr auf die Idee kommen, Zuzugssperren für bestimmte Bevölkerungsgruppen in den jeweiligen Stadtvierteln zu verhängen. Man versucht eher, die strukturellen Rahmenbedingungen zu beeinflussen oder über die Vergabe sozial geförderter Wohnungen indirekt Einfluss zu nehmen. Diese Strategie folgt einem neuen Planungsverständnis, das aus der „Krise der Stadtplanung“ im Sinne einer Steuerung städtischen Lebens erwuchs.